Produzierter Hardwareschrott – Warum mobile Geräte kein Spielzeug sind.

Schon seit einiger Zeit juckt es mir in den Fingern etwas über das Thema „mobile Geräte als produzierter Hardwareschrott“ zu schreiben. Ich selbst habe jahrelang, ohne einen Gedanken an die Nachhaltigkeit zu verschwenden, zum Scheitern verurteilte Geräte aus Fernost oder aus anderen Regionen der Welt gekauft. Ich war und bin fasziniert von der tollen Technik.

Immer besser, immer mehr Prozessorkerne und eine immer höhere Auflösung der Displays. Aber wozu das eigentlich? Wie profitiere ich von einer Auflösung weit über Full-HD auf meinem 6 Zoll Smartphone? Was bringen mir acht oder gar zehn CPU-Kerne, wenn die Software dermaßen schlecht auf die Hardware des Geräts abgestimmt ist, dass es grundsätzlich, schon bei einfachen Systemoberflächen ruckelt und hakt? Im Grunde nichts und das merkt man schnell und somit wandert das Gerät just in die Schublade zu den anderen Devices oder besser gleich in den Müll.

Für die Insider: Wer hatte vor 5 Jahren ein China-Phone bei dem GPS reibungslos funktioniert hat?

Heute habe ich eine andere Sicht auf die Dinge. Die Dimensionen sind zwar immer noch nicht zu begreifen, denn allein, wenn man beginnt sich darüber zu informieren wie viele Smartphone-Hersteller es auf der weiten Welt gibt, wird einem schwindelig. Wichtig ist mir an dieser Stelle, dass dies kein Grundsatzgedanke über gewisse Hersteller darstellt. Die einen bieten mehr, machen einiges vielleicht etwas besser. Das notwendige Maß bietet jedoch keiner.

Gerade kündigt Lenovo seine neuen Tablets an und so scheint es mir ein geeigneter Zeitpunkt das Thema nochmal kurz aufzufassen. Mit höchster Wahrscheinlichkeit nämlich, wird es auch für diese Geräte wieder mal keine oder nur selten Updates geben und so sind diese Geräte bereits bei Markteinführung praktisch Hardwareschrott und stellen so zudem eine große Gefahr dar. Offene Sicherheitslücken, nicht optimierte Treiber und minderwertige Akkus. Diese Geräte sind vollwertige Computer und die Menschen wickeln auch kritische Tätigkeiten wie Banking, Aktiengeschäfte oder ähnliches über genau solche Geräte ab. Auch im Gesundheitswesen gewinnen mobile Geräte an Bedeutung, gerade im privaten Haushalt. Eine Fülle an Apps die einem dabei unterstützen den Blutdruck zu messen oder Tagebuch über den gesundheitlichen Zustand zu führen. Spannend für alle…

Sicher, nicht nur die Software macht ein Gerät sicher. Auch die Hardware muss stimmen, aber ein jeder Anfang muss irgendwo beginnen. Veraltete Hardware stellt natürlich ebenso ein Sicherheitsrisiko dar wie veraltete Software und Betriebssysteme. Letzteres bietet jedoch eine viel höhere Flexibilität und somit auch Möglichkeiten der Nachbesserung.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich Community-Projekte wie LineageOS (ehemals CyanogenMod), OmniROM oder Dirty Unicorns. Diese Projekte bieten eine Chance bestimmte Geräte länger zu nutzen als es der Hersteller vorsieht, aber auch hier gibt es Grenzen oder ablaufende Interessen. Dennoch ist es toll, was hier geschaffen wird. Ein Garantie auf Sicherheit gibt es bei Custom-ROMs aber nie.

Paradox erscheint mir: Wer sich früher über die regelmäßigen Windows Updates geärgert hat, freut sich heute darüber, dass sein Smartphone endlich mal wieder ein neues Update erhält. Im Grunde eine gute Entwicklung, die lange gebraucht hat. Doch leider findet nur selten ein Update den Weg auf ein Smartphone. Regelmäßige Updates die über einen Zeitraum von 2-3 Jahren für ein Mobiltelefon angeboten werden sind eine Seltenheit. Auch bei namenhaften Herstellen gibt es nur wenige die ein solches Versprechen einhalten. Die meisten mobilen Geräte erhalten gar keine Updates, geschweige denn Sicherheitspatches und das obwohl die Betriebssystementwickler nachbessern und Schnittstellen schaffen, um nachträglich sicherheitsrelevante Updates in das Betriebssystem einzuspielen. Nur wenige Hersteller scheinen die Kompetenz zu besitzen diese auch zu nutzen. Klar Apple fährt eine andere Schiene, doch sind auch hier Akkus fest verbaut, Geräte, die vermeintlich noch gut ausgestattet sind, werden nicht mehr unterstützt und so muss auch hier ein Neues her.

Softwareentwicklung kostet Geld, gerade die Entwicklung an bereits verkaufter Hardware ist besonders kostenintensiv für die Hersteller und so wird diese schlichtweg vermieden. Lieber wird ein neues Gerät „entwickelt“ um erneut zur Kasse zu bitten. Wieviele Ressourcen die beim Bau der abertausenden Modelle verwendet wurden, sind absolute Verschwendung?

Google und Apple sind innovative Unternehmen, aber gerade dieser unfassbare „1und1 Davis Hardware-Austausch-Hype“ schafft nicht nur einen persönlichen mobilen Zugriff für jeden, Jahr für Jahr aufs Neue, sondern eben auch einen ganz persönlichen Müllberg für jeden.

Jedes Jahr ein neues Smartphone? Aus sicherheitstechnischer Sicht auf jeden Fall die beste Entscheidung, ernsthaft drüber nachgedacht der absolute Irrsinn. Natürlich hört man erste Aufrufe der Hersteller über wiederverwendete Komponenten, aber das ist eher die Ausnahme und schnell als Marketingstrategie entlarvt. Lieber wird Geld in die Entwicklung eines Displays gesteckt, dass beim Falten nicht nach drei Monaten auseinander fällt…

Für mich wäre es eine klare Entscheidung zu einem Smartphone zu greifen, welches eine herstellerseitige Unterstützung weit über 3 Jahre erhält. Leider ist das aktuell noch eine Utopie. Aber Innovation setzt sich durch und so können wir hoffen das es auch im Bereich der Nachhaltigkeit zu einer Innovation oder besser Revolution kommt. Projekte wie das Fairphone sind ein wunderbarer Ansatz und finden Akzeptanz. Hier sollten sich namenhafte Hersteller so einige Scheiben abschneiden.

https://www.fairphone.com/de/

Mich würde interessieren wie ihr darüber denkt, schreibt uns eine Nachricht, hinterlasst ein Kommentar und gebt eure Meinung ab.

Wir freuen uns auf euer Feedback!

Tags

Leon Gawinski

System Engineer Softwarebereich Microsoft

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